Michael Bayerl

Kreativer Exil-Bayer in Franken

St. Konrad in Villingen – ein schwebendes Zelt aus Beton

St. Konrad in Villingen war wieder ein architektonisches Highlight. Schon von Weitem sieht man den spitzen, gerippten Turm über den Bäumen, und daneben die Kirche, deren Dach aussieht, als würde es frei schweben.

Gebaut wurde sie zwischen 1964 und 1967 nach Plänen von Emil Obergfell. Das Dach ist eine hyperbolische Paraboloidschale aus Spannbeton, eine der ersten so großen frei gespannten Schalen im deutschen Kirchenbau. Die Form erinnert an ein Zelt und damit an die frühen Christen, die in einfachen Zelten Gottesdienst feierten. Von innen läuft die helle Holzdecke wie ein Segel über den Raum, ringsum fällt Licht unter der Dachkante herein.

Ganz besonders sind die Kreuzwegstationen. Sie sind keine Bilder an der Wand, sondern farbige Glasfenster von Maximilian Bartosz, tief in die rohen Betonwände eingeschnitten. Wir haben sie zuerst von außen angeschaut, als schmale Schlitze in der Fassade, und später von innen, wo sie in Blau, Rot und Weiß leuchten und jede Station wie eine kleine Nische zum Innehalten wirkt.

Ich liebe diese Art von Beton und Spiritualität – wenn es sich auch danach anfühlt. Hier tut es das.


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