Michael Bayerl

Kreativer Exil-Bayer in Franken

Ein Engel in der Befreiungshalle

Ein Firmenausflug – nicht meiner, sondern der damaligen Firma meines Mannes – führte uns nach Kelheim, hinauf auf den Michelsberg. Dort steht die Befreiungshalle, ein Rundbau, den König Ludwig I. ab 1842 errichten ließ: begonnen von Friedrich von Gärtner, vollendet von Leo von Klenze, eingeweiht am 18. Oktober 1863 – auf den Tag genau 50 Jahre nach der Völkerschlacht bei Leipzig.

Die Zahl 18 zieht sich durch den ganzen Bau, denn auch Waterloo wurde an einem 18. geschlagen: 18 Pfeiler, 18 Nischen, 18 Inschriften. Innen ein Kreis aus 34 Siegesgöttinnen, darüber die Kassettenkuppel mit ihrem Lichtauge, darunter ein Marmorboden mit der Mahnung, nie zu vergessen, warum der Befreiungskampf nötig war. Vom Umgang aus der Blick auf Donau und Altmühl – und hinüber zum Donaudurchbruch.

Der Blick von der Halle hinunter macht demütig: Unten windet sich die Donau durch das Tal, gesäumt von dichten Wäldern und Auen – ganz toll.

Mein liebstes Bild des Tages zeigt allerdings keinen König und keine Kuppel, sondern meinen Mann vor den Flügeln einer Siegesgöttin. Er sah aus wie ein Engel – und das sage ich nicht nur, weil ich verheiratet bin.


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