Michael Bayerl

Kreativer Exil-Bayer in Franken

Genussmenschen am Bodensee

Unsere Ferienwohnung hatte einen idyllischen Blick – allerdings weg vom Bodensee, Richtung Wald, auf ein paar Bienenkisten. Seeblick geht anders. Aber ehrlich: Gefehlt hat uns nichts, denn der Aufenthalt am Bodensee war wunderbar und vor allem sehr genussvoll.

Ein Abstecher führte uns zu einem Brenner mit herrlichen Likören und Balsamico. Wir wollten mit Karte bezahlen – das ging nicht. Statt uns wegzuschicken, schickte er uns einfach eine Rechnung hinterher, zum nachträglichen Bezahlen. Sein Satz dazu ist uns geblieben: „Genussmenschen begleichen immer ihre Rechnungen.“ Haben wir natürlich getan.

Wirklich beeindruckend war der Rheinfall auf der Schweizer Seite. Übergesetzt zum Felsen sind wir nicht, aber wir sind über die Wege direkt am tosenden Wasser spaziert, so weit es eben ging. Spannend waren auch die Pfahlbauten in Unteruhldingen – Hütten auf Stelzen im Wasser, wie vor Tausenden von Jahren. Und unterwegs im Auto gab es Kirschen, so dunkel und prall, dass ich sie erst fotografieren musste, bevor sie gegessen wurden.

Die Mainau mit ihren Blumen und dem Schmetterlingshaus hat Kindheitserinnerungen geweckt: Seerosen, blaue Falter auf grünen Blättern, die Wasserkaskade zwischen den Zypressen. Dazu die Naturgöttin Diana und das Kreuz mit seinen Figuren, das mitten im See steht. Lustig war auch die Hafeneinfahrt mit dem Auto. Und durch Salem sind wir auch gefahren – deutlich weniger gruselig, als der Name vermuten lässt. Verhext wurden wir jedenfalls nicht.

In Bregenz standen wir an einem verregneten Tag vor der Seebühne. Dort lag gerade das Bühnenbild für „Rigoletto“ im Wasser: ein riesiger Clownskopf und ein Heißluftballon, mitten im Bodensee. Selbst ohne Vorstellung ist das ein beeindruckender Anblick.

Und dann das Weingut Schmidt in Wasserburg. Wir konnten quasi zu Fuß hinlaufen – hat aber lange gedauert. Als wir ankamen, dachten wir zuerst, wir wären falsch: Auf dem Parkplatz standen nur Porsche. Es war aber einfach ein Porschetreffen. Das Weingut selbst ist ein schöner Holzbau, in den Hang gebaut, mit Blick über die Reben bis zum See. In der Weinbar „Pinot“ gab es Wein, Brot, Oliven und gutes Essen unter großen Schirmen. Und rund um das Weingut kreuzte eine Weinbergschnecke unseren Weg, ganz ohne Eile – das passende Tempo für so einen Genussurlaub.


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