


Untergebracht waren wir in Wembley, mit Blick auf den großen weißen Bogen des Stadions – abends schwebte er angeleuchtet über der Stadt. Nicht gerade das klassische Touristenquartier, aber genau richtig.
Ebenso wenig touristisch: die Thames Barrier. Wir sind raus zu den Fluttoren gefahren, die London seit den Achtzigern vor Sturmfluten schützen – silbern glänzende Hauben, die wie eine Reihe gestrandeter Muscheln in der Themse liegen. Etwas abenteuerlich der Weg dorthin, aber das Ziel hat sich gelohnt.
Am ersten Tag hatten wir Sonne, und prompt am Buckingham Palace eine Parade mit Bärenfellmützen und Marschmusik. Kew Gardens war überwältigend – mit seinen Gewächshäusern und sogar einer Camera obscura –, dazu die Klassiker vom Globe Theatre bis zur Tate Modern – und dazwischen Street Art an jeder Ecke, auf Backstein, an Rollläden, an Stromkästen.
Abends haben wir tolle Cocktails getrunken – unter anderem in einem der ältesten schwulen Clubs der Stadt, mit einem Himbeer-Mojito, an den ich heute noch denke. Und ich habe mich endlich an Fish & Chips getraut – super lecker, ich hätte es früher wagen sollen. Weniger gelungen waren die Dumplings in Chinatown: fürchterlich. Aber auch das gehört dazu. Und ja, ein Clochard hat uns lautstark beschimpft. Wir haben es nicht persönlich genommen – quasi ein Willkommen in der Metropole.
Zu Fuß ging es durch Soho, Covent Garden und Camden Town, jedes Viertel mit seinem eigenen Takt, und natürlich nach Notting Hill mit seinen bunten Häusern. Dazwischen zwei Läden, in denen wir wieder zu Kindern wurden: ein Lego-Laden voller Figuren und Modelle aus bunten Steinen und Hamleys, der als ältester Spielzeugladen der Welt gilt – gegründet 1760.
Dazu die Klassiker: der Tower of London – in dem übrigens auch Heike Makatsch mit uns Touristin war –, das London Eye und The Shard mit der wohl schönsten Rooftop-Toilette der Welt und dem spektakulär leckersten Negroni. Spätestens da hatte sich London einen festen Platz auf unserer Reiseliste erobert.
Diese verrückte Mischung aus Political Correctness, britischem Trash und urbanem Bankenleben sucht ihresgleichen. Und ich musste immer wieder an die Romanreihe „Die Flüsse von London“ von Ben Aaronovitch denken, in der die Flüsse der Stadt eigene Persönlichkeiten haben. Genau so haben wir London erlebt: Jedes Viertel hat seinen ganz eigenen Charakter und hat uns die Stadt mit anderen Augen sehen lassen.










