Michael Bayerl

Kreativer Exil-Bayer in Franken

Radicondoli – Wildschweine, Missverständnisse und die beste Pizza der Welt

Sechs Leute, ein altes toskanisches Haus mit vier Schlafzimmern: Mit Freunden ging es in die Hügel bei Radicondoli. Das Wohnzimmer war ein ehemaliger Kuhstall, unter den Sofas lagen Hunderte tote Insekten, das Grundstück war eingezäunt – wir wohnten mitten im Wildschweingebiet. Ein Erlebnis!

Versorgt wurden wir von einem Verwalter, seiner Frau oder Freundin und deren Sohn. Sie sprachen nur Italienisch. Am ersten Wochenende kam es zu einem herrlichen Missverständnis: Wir dachten, man wolle uns zur Abreise bewegen – dabei wollten sie nur wissen, wann wir unterwegs sind, damit sie putzen können. Empfang gab es keinen, bis wir endlich Internet hatten. Danach lief die Völkerverständigung über den Google-Übersetzer – und auf einmal klappte alles.

Radicondoli selbst lag nur fünf Kilometer entfernt, aber über Straßen, die diesen Namen kaum verdienten. Belohnt wurden wir mit der besten Pizza aller Zeiten und einem Ausblick, der wirklich fotoreif war. Natürlich waren wir auch auf den Spuren von Edward aus „Twilight“ unterwegs. Das Zuhause der Volturi in Volterra entpuppte sich als von Tauben reichlich verzierte Gasse – sehr viel weniger glamourös als im Kino. Kein Wunder: Gedreht wurde die Szene in Montepulciano. In Saturnia lagen wir im warmen Thermalwasser – und ich verbrannte mir danach am Strand den Fuß.

Fazit: chaotisch, herzlich, unvergesslich. Ein Urlaub, der bis heute nachwirkt.


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