Michael Bayerl

Kreativer Exil-Bayer in Franken

Pianello del Lario – Ferien mit Seeblick

Der Comer See stand schon lange auf der Liste. Untergekommen sind wir in Pianello del Lario am Westufer, in einer schönen Wohnung mit zwei Schlafzimmern – genug Platz für vier, denn wir waren mit Freunden unterwegs. Jeden Morgen ging es hinunter an den See, und jeden Tag scherzten wir, dass uns George Clooney hier bestimmt bald über den Weg läuft. Er kam nicht – der See war trotzdem großartig.

Die Tage hatten ihren eigenen Takt: morgens der Blick über den See, wenn die Sonne gerade über die Berge kommt, Windsurfer auf dem Wasser, bunte Häuser an den Ufern. In Varenna und Bellano enge Gassen, in denen man nach oben schaut und zwischen ockergelben Fassaden und grünen Fensterläden nur einen schmalen Streifen Himmel sieht. Und mitten im Ort eine Uhr, die jemand an eine alte Platane gehängt hat – halb eingewachsen, wie eine verwunschene Dalí-Uhr.

Natürlich ging es auch in die Städte. In Como haben wir unter der Kuppel des Doms gestanden und uns kaum sattsehen können an diesem Stuck und Licht. In Mailand rumpelten die alten orangefarbenen Straßenbahnen durch die Straßen, die dort seit fast hundert Jahren unterwegs sind. Und im Dom flackerten Hunderte Kerzen, daneben die Statue des heiligen Bartholomäus von Marco d’Agrate, der seine eigene Haut wie einen Umhang über der Schulter trägt – schaurig und faszinierend zugleich.

Abends dann das Licht über den Bergen, die blaue Stunde vom Balkon aus, das man eigentlich nicht fotografieren, sondern nur anschauen sollte. Nachts leuchteten die Lichter auf dem kleinen Friedhof am Hang, und einmal stand der Mond genau zwischen zwei Zypressen.

Was wir damals nicht wussten: Zwei Jahre später würde genau dieser Ort das Ziel unserer Hochzeitsreise werden. Manche Urlaube enden nicht mit der Heimfahrt – sie prägen nachhaltig. Dieser gehört dazu.


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